DIY: natürliche Haarpflege

Haarpflege - ist ein sehr sensibles Thema, eigentlich. Das Haar ist so individuell wie der Mensch auf dem es wächst. Lockig, glatt, lang, kurz, strohig, seidig, grau, natur, gefärbt, ungefärbt, teilgefärbt, schnell fettend, trocken, mit Spliss, ohne Spliss. Kurz gesagt: es gibt keine Pflege, die man pauschal auf jeden Haartyp anwenden kann - vermute ich jetzt mal.


Bevor ich euch ein paar natürliche Haarpflegerezepte vorstelle möchte ich mir auch noch näher anschauen wie Haarpflege vor noch einem Jahrhundert ausgesehen hat. Weiters interesiert mich auch welche Inhaltsstoffe in den konventionellen Haarprodukten enthalten ist und und warum Babyshampoo nicht in den Augen brennt.



Vor den 1930ern haben Frauen keine Shampoos genutzt. Sie wuschen ihre Haar mit einer herkömmlichen Handseife oder mit Mehl und schlossen die Haarwäsche mit einer sauren Rinse oder einfach durch Spülen mit kaltem Wasser ab um die Schuppenschicht zu schließen und den pH-Wert auszugleichen. Weiters kommt hinzu, dass sie sich nur alle 2 Wochen die Haare gewaschen hatten.


Dann kam die Industrialisierung und die Firmen wollte schnell viel Geld erzielen. Die Menschen sollten sich jeden Tag die Haare waschen. Umso schneller die Shampooflasche leer war umso schneller wurde wieder Geld in eine neue investiert - man wollte doch die Haare schön haben :) Aber: zu häufiges Waschen und industrielle Shampoos irritieren die Kopfhaut und verursachen Schuppen, Pilze, fettiges Haar, Haarausfall etc. Und aus den Leiden der Menschen wurde noch mehr Profit geschlagen: Anti-Schuppen Shampoo, Shampoo gegen fettiges Haar, etc. Und diese "Spezial-Shampoos" sind dann noch um einen Ticken teurer, da der Leidtragende den einen Euro mehr natürlich auch noch investiert, damit der Teufelskreis endlich ein Ende hat...



Schauen wir uns doch mal die Inhaltsstoffe konventioneller Shampoos an:

Das Herzstück eines klassischen Shampoo bilden die Tenside. Sie haben einen fett- und einen wasserliebenden Teil. Diese Eigenschaft setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab und wirkt so reinigend. Die Tenside sind ebenfalls für die Bildung des Schaums verantwortlich. Hergestellt werden sie vorwiegend synthetisch. Als Ausgangstoff dient Erdöl. Es sind oft diese synthetische Verbindungen die von der Kopfhaut nicht optimal vertragen werden.


Weitere Bestandteile sind Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe, sowie Quats, Silikone und Acrylate. Quats sind positiv geladene Stickstoffverbindungen. Sie machen das Haar gut kämmbar, sind aber nicht natürlich abbaubar und werden unter anderem in Weichspülern und als Konservierungsstoff eingesetzt. Silikone und Acrylate dienen im Shampoo als Filmbildner. Sie umhüllen die Haare und lassen sie glatt und „gesund“ wirken. Neben der Umweltbelastung kommt hinzu dass sie oft nicht richtig mehr aus den Haaren entfernt werden können und sich Ablagerungen.


Aber nicht nur im Haar sondern sie werden auch durch unser größtes Organ - die Haut aufgenommen. Diese Säuren belasten unseren Organismus immens. Da unser Körper ständig versucht den Säure-Basen-Haushalt auszugelichen und wir mit einer ungesunden Lebensweise mehr Säuren als Basen zu uns nehmen, plündert der Körper die körpereigenen Mineraldepots. Eines davon ist der Haarboden. Da wir die ausgeborgten Basen selten wieder zurückgeben kann es auf lange Sicht zu Haarausfall führen , da die Haarwurzeln unzureichend versorgt werden können. Wie du dem natürlich entgegenwirken kannst findest du hier: www.mitdernatur.net/post/säure-basen-haushalt


Als Laie sind die Inhaltsstoffe weder bei konventionellen noch bei Naturkosmetika im Handel nachvollziehbar. Wenn du deine Hygieneprodukte nicht selber machen möchtest, empfehle ich dir die App "Codecheck". Durch Scannen des Barcodes siehst du ob gefährliche Inhaltststoffe enthalten sind.


Meiner Meinung nach sehr gefährlich wird es bei Shampoos, die allem voran für Babys gemacht wurden. Wobei diese Substanz auch bei Erwachsenen-Shampoos enthalten sein kann. Diese Substanz genannt Sodium Laureth Sulfat wird beigemisht und sorgt dafür, dass das Shampoo nicht in den Augen brennt.


Bei dem Inhaltsstoff handelt es sich um einen PEG-basierte Substanz, die keineswegs mild ist – wie oft angepriesen. Sodium Laureth Sulfat sorgt dafür, dass der Augapfel kurzzeitig gelähmt wird. Doch Tränen sind eine ganz natürliche und sinnvolle Reaktion des Körpers, weil sie das Auge automatisch ausspülen.


Diese Substanz betäubt quasi kurzzeitig den Augapfel und verhindert, dass es brennt und sich Tränen bilden!!!


Auch die natürlichste Seife wird in den Augen brennen und das ist kein Zeichen von Chemie und auch nicht gefährlich sofern es sich wirklich um eine Naturseife handelt, sondern einfach ein Zeichen, dass die Seife nicht ins Auge gehört - Punkt.


Babys kann man jedoch auch komplett natürlich baden, z.B.: Badewanne mit Wasser und Zusätzen wie naturbelassene Öle, Kräuter oder Muttermilch. Dies hält den pH-Wert der Haut optimal in Balance und kein "Chemie-Schas" wird die Haut des Säuglings reizen.



Das Haarewaschen mit natürlichen Ressourcen und der Abschluss mit saurer Rinse findet langsam wieder seinen Platz zurück ins Badezimmer und der Trend geht wieder Richtung Natürlichkeit. Auch, dass man die Haare nicht jeden Tag waschen sollte macht langsam die Runde und man schaut wie lange man sein Haar ungewaschen lassen kann. Back to the roots quasi :) Der heutige Richtwert liegt zwischen 3-4 Tage. Um das Waschen noch 1-2 Tage hinauszuzögern greift man auch schon zu Trockenshampoos in Pulverform und nicht mehr zur Spraydose - i like!


Nachstehend findest du die Variante wie ich mir aktuell die Haare wasche und pflege und dann welche Möglichkeiten es noch gibt. Wie schon eingangs geschrieben, weiß ich nicht ob alle Haartypen mit den unten angeführten Methoden durchführbar sind. Meine Haare sind ungefärbt und ich wasche schon seit Längerem mit Naturkosmetik aus dem Handel. Der Umstieg auf die natürliche selbstgemachte Methode fiel mir somit sehr leicht. Da heißt es nur ausprobieren und selbst aufgrund des Haartyps recherchieren. Auf jeden Fall ist Geduld ein wichtiger Begleiter bei der Umstellung. Je nach Haar kann es bis zu Wochen dauern, die Shampooreste vollständig raus zu bekommen und mit den natürlichen Methoden eine schöne Haarstruktur und Glanz zu erzielen.

 

Shampoobar mit Brennessel

Entgegen der Vorstellung ist ein Shampoobar keine Seife sondern ein festes Shampoo, dass man jedoch wie eine Seife verwendet: unter das Wasser halten und zwischen den Händen reiben oder direkt über die Haare streifen. Man kann es auch in ein Sisal-Seifensäckchen geben wenn man das möchte:


50g SCI (ist ein natürliches Tensid auf Kokosbasis und vollständig biologisch abbaubar)

10g Stärke (Mais- oder Kartoffelstärke)

30g Buchweizenmehl

2 TL fein gemahlene Kräuter (z.B. Brennessel)

15g Kakaobutter geschmolzen

10g Sonnenblumenöl (gerne auch als Auszug mit Brennessel)

10 Tr. Ätherische Öle


Optional vorher den Brennesselauszug vorbereiten mit der Heißauszug-Variante, da sie sehr schnell und unkompliziert funktioniert

Frische oder getrocknete Brennessel zerkleinern, in ein kleines Glas geben und mit Sonnenblumenöl begießen. Bei frischen Kräutern ca. 1:1 und bei getrockneten Kräutern ein Verhältnis von 1:2.

Für ca. 2 Stunden in ein warmes Wasserbad geben und ab und an umrühren, absieben und in eine sauberes Glas füllen und bei Zimmertemperatur bis zur Verarbeitung stehen lassen.


Alle trockenen Zutaten in eine Schüssel geben und verrühren - ACHTUNG! das SCI ist sehr sehr fein und kann dadurch die Schleimhäute und Lunge reizen - Am besten gut lüften und Mund-Nase-verdecken.

Wenn alles vermischt ist, sollte die Luft wieder rein sein :) Dann die geschmolzene Kakaobutter und das Öl und die ätherischen Öle hinzufügen und gut vermischen. In eine Silikonform füllen oder einfach mit der Hand zu kleinen Kugeln formen. Einen Tag trocknen lassen. Solltest du sie in eine Silikonform gefüllt haben, dann gib sie vor dem Auslösen ca. 1-2 Stunden in den Gefrierschrank um das Shampoo nicht zu zerbröseln.


Anschließend kannst du eine saure Rinse über deine Haare gießen wenn du möchtest und anschließend einen Coditioner aus Leinsamen verwenden:


Conditioner aus Leinsamen

wird in das handtuchtrockene Haar einmassiert und nicht mehr ausgespült, die Haare werden wunderbar geschmeidig, gut kämmbar und werden nicht beschwert


2 EL Leinsamen mit

300 ml Wasser kurz aufkochen und 2-3 Minuten leicht köcheln lassen bis es schleimig wird


Die Mischung durch ein Sieb abgießen und optional 1 TL Öl (z.B. das Brennesselöl vom Shampoobar) und je nach Bedarf 5 Tropfen ätherische Öle hinzufügen.

Um die Haltbarkeit zu verlängern in kleine Eiswürfelformen einfüllen und kurz bevor du dir die Haare wäscht rausnehmen und auftauen lassen und nach dem Waschen ins Haar einmassieren (ca. 1 TL).


wenn es in der Früh mal schneller gehen muss und keine Zeit zur Haarwäsche ist benutze ich ein selbstgemachtes pulveriersiertes Trockenshampoo:


Trockenshampoo


2 EL Maisstärke

1 EL Heilerde (oder wenn du dunkleres Haar hast durch Rohkakao ersetzen)

5 Tropfen ätherische Öle


Alles vermischen und in einem Schraubglas aufbewahren.

 

Die Kräuter und Öle kannst du nach Belieben und je nach deinem Haartyp variieren.

Du hast z.B. schnell fettendes Haar? Dann kannst du auch Salbei oder Rosmarin verwenden und beim Öl ein bisschen sparen. Deine Haare sind trocken? Dann kannst du z.B. Schafgarbe oder Kamille verarbeiten und Jojoba-Öl oder Wildrosenöl verwenden. usw. ... Die Möglichkeiten sind schier endlos. Wenn du dich damit beschäftigst, wirst du schnell herausfinden was für DICH am Besten ist.


Genauso wie mit den Methoden für das Haarewaschen:

  • mit Seife

  • mit Roggenmehl

  • mit Lavaerde

  • nur mit Wasser

  • mit Natron

Bei diesen Methoden sollte man die Haarwäsche jedoch mit einer sauren Rinse abschließen.


Saure Rinse

1 EL Apfelessig oder Zitronensaft in einem Becher mit unter die Dusche nehmen. Nach dem Haarewaschen mit Wasser auffüllen und den Inhalt über die Haare gießen. Dadurch wird die Schuppenschicht geschlossen, der pH-Wert ausgeglichen und die Haare erhalten einen schönen Glanz und werden geschmeidig. Keine Angst, der Essiggeruch verfliegt von selbst.

Du kannst auch selbst einen Essig mit Kräutern ansetzen und diesen nach 2 Wochen für die Haarspülung nutzen.


Viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren :)

Es lohnt sich abermals für deine Gesundheit und die Umwelt.